Fairer Tourismus – Autor Frank Herrmann hält Vortrag am „Goethe“

Fairer Tourismus – Autor Frank Herrmann hält Vortrag am „Goethe“

IBBENBÜREN 11.11.2019 „Vermeiden, reduzieren, kompensieren“ – Experte gibt wertvolle Tipps

Anfang der Woche hielt der in Fachkreisen renommierte Buchautor Frank Herrmann auf gemeinsame Einladung des energieland2050 des Kreises Steinfurt, des Goethe-Gymnasiums und der Fairtrade Steuergruppe einen Vortrag zum Thema „FairReisen – Nische oder Notwendigkeit?“. Mehr als 130 Zuhörer, unter ihnen ca. 40 Schülerinnen und Schüler, verfolgten die Eröffnung durch den Schulleiter Lars Buchalle in der Mensa der Schule, der sich freute, dass das Thema auf so großes Interesse stieß. Bürgermeister Dr. Marc Schrameyer würdigte anschließend das Engagement des Goethe-Gymnasiums in den Bereichen Nachhaltigkeit und fairer Handel und hob insbesondere die auch an diesem Abend vertretene AG „GOetheFAIR“ hervor, die ihm u.a. durch ihre Aktivitäten auf den Wochenmärkten bekannt sei. Als Vorstandsvorsitzender des energieland 2050 kündigte er an: „Wir werden in den kommenden Jahren im Kreis Steinfurt einiges für den Klimaschutz anstoßen.“ Claudia França Machado, stellvertretende Geschäftsführerin des energieland2050 e.V., stellte das Projekt „Klimaschutzbürger2.0“ vor, bei dem 18 Haushalte aus dem Kreis Steinfurt ein Jahr lang dabei begleitet werden, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Referent Herrmann machte in seinem Vortrag deutlich, wie wichtig „Fair“-Reisen aufgrund der aktuellen Sensibilisierung der Bevölkerung für Fragen rund um den Klimaschutz in den nächsten Jahren wird.

Die gute Nachricht vorweg: Fairer und nachhaltiger Tourismus ist möglich! Zunächst zeigte der Experte allerdings auf, dass dringend Handlungsbedarf besteht: Die Zahl der Touristen steigt, die Ziele werden immer exotischer, Kreuzfahrten in die Arktis und die Antarktis immer beliebter. „In jedem Augenblick befinden sich 2 bis 3 Millionen Menschen in Flugzeugen und fliegen um die Welt“. Müll, Trinkwasserknappheit, Luftverschmutzungen sowie teilweise überlaufene Strände oder Städte erläutert er eindringlich als Problembereiche. „Das, was wir heute schon erleben, ist erst der Anfang einer Entwicklung. In Asien wächst der Markt aktuell so stark, dass wir in den kommenden Jahren den doppelten bis dreifachen Flugverkehr weltweit haben werden“, so der Experte.

Da Reisen selbstverständlich sowohl persönlich als auch gesellschaftlich auch seine guten Seiten hat, will Frank Herrmann den Zuhörern gar nicht generell den Spaß daran verderben, sondern konkrete Tipps geben, wie alle von einem sozial verantwortlichen und umweltfreundlichen Tourismus profitieren können. Beispielsweise können durch freiwillige CO2-Kompensationen Klimaschutzprojekte unterstützt werden. Dies sei mehr als ein „moderner Ablasshandel“, denn durch solche Projekte können erhebliche Mengen an CO2 eingespart werden, so Herrmann. Zudem gebe es bereits einige „faire“ Reiseveranstalter, die sich auf nachhaltigen Tourismus spezialisiert hätten und zum Beispiel über das „TourCert-Siegel“ erkennbar seien. Außerdem appelliert er an die Zuhörer, Reiseveranstalter genau zu prüfen und zeigte durch viele Daten, Fakten, Fotos und persönliche Erfahrungen auf, wie von der Wahl eines möglichst umweltfreundlichen Verkehrsmittels oder durch die Vermeidung von Plastikmüll bis hin zum Verzicht auf ressourcenintensive Aktivitäten im Reiseland ein möglichst faires Reisen gelingen kann. Herrmann ist überzeugt, dass aufgrund eines veränderten Bewusstseins ein neues touristisches Marktsegment entstehen wird, das auf Nachhaltigkeit setzt.

Der Vortragsabend klang gemütlich mit einer Verköstigung fair gehandelter Produkte aus, die der Eine-Welt-Laden Ibbenbüren organisiert hatte. Michael Kosler blickte zufrieden auf die Veranstaltung, die mit Fördermitteln des Bundes gefördert wurde: „Am Goethe-Gymnasium sind wir froh, dieses wichtige Thema für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger frühzeitig mit einem Experten vertiefen zu können. Der neueste wissenschaftliche Stand, vermittelt durch einen Autor wie Frank Herrmann, ist neben dem Verkauf fairer Produkte ein sinnvoller Beitrag zur Bewusstseinsbildung. Es zeichnet uns

als Fairtrade-School aus.“ Er ermutigte die „Fachleute“ im Publikum, die z.B. für Vereine oder NGOs arbeiten, mit ihm Kontakt aufzunehmen, um weitere Projekte und Kooperationen zu planen.

Christian Böckenholt, Michael Kosler, Kerstin Hannemann

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