Tschernobyl-Zeitzeugen zu Gast am „Goethe“

Tschernobyl-Zeitzeugen zu Gast am „Goethe“

Im Rahmen der Tschernobyl-Aktionswoche besuchten die Zeitzeugen Jurij Wazkel und Valentina Daschkewitsch zusammen mit einer Übersetzerin am Donnerstag das Goethe-Gymnasium, um Schülerinnen und Schülern der Jgst. 9 in einer zweistündigen Veranstaltung über die atomare Katastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 zu informieren. Moderiert wurde ihr Vortrag mit anschließender Fragerunde durch den Schulseelsorger Christoph Moormann und Reinhard Jansing von der Initiative "Den Kindern von Tschernobyl".

So schilderte der 1956 geborene Ingenieur Wazkel, wie er vor 33 Jahren als Reservist der Armee aus Kiew in das Dorf Oranoje abgeordnet wurde und als Liquidator für die Beseitigung von Trümmerteilen des explodierten Reaktors 4 zuständig war. Da er mit seiner Brigade bis Mitte Juli ohne Schutzanzüge Schutt und Asche vom Dach des Reaktors entfernen musste, hat er schwere gesundheitliche Schäden erlitten. Seit 1991 ist er als Invalide anerkannt und bis heute wegen der gesundheitlichen Spätfolgen in Behandlung. Die Mathematik-Lehrerin Valentina Daschkewitsch (geb. 1958) arbeitete damals als Lehrerin ca. 50 km von Tschernobyl entfernt. Zu ihren Aufgaben gehörte es, evakuierte Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren in Hoiniki zu versorgen. Auch nach mehr als drei Jahrzehnten war Valentina Daschkewitsch' Betroffenheit noch spürbar, wenn sie den jugendlichen Zuhörern die unzulänglichen Hilfsmaßnahmen und die spärliche Informationspolitik in der damaligen Sowjetunion beschrieb.

Jansing und Moormann lieferten Hintergrundinformationen und erläuterten die Ursachen der europaweiten Verstrahlung und die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen der massiven Freisetzung von Radioaktivität. Die Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“ engagiert sich daher für Kinder zwischen 7 und 15 Jahren aus dem Bezirk Mogilov (ca. 220 km von Tschernobyl entfernt), indem ihnen durch einen vierwöchigen Aufenthalt im Tecklenburger Land eine "Auszeit vom Leben mit radioaktiver Strahlung" ermöglicht wird. Für die Ferienerholung werden in jedem Jahr Gastfamilien gesucht.

Michael Kosler, Koordinator der Gesellschaftswissenschaften, freute sich, dass auch der vierte Besuch der Zeitzeugen am „Goethe“ eine nachhaltige Lehrstunde für die Neuntklässler war: „Die vielen interessierten Fragen zeigen, dass ein persönlicher Bericht Jugendliche für die Risiken der Kernenergie sensibilisieren kann.“ Er sieht daher in dem unermüdlichen Engagement der Zeitzeugen eine Chance, gegen das Vergessen der Tschernobyl-Katastrophe anzukämpfen.

Kerstin Hannemann